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Eine Nachricht im Klassenchat, ein Video auf TikTok oder die Antwort eines KI-Chatbots: Kinder und Jugendliche gelangen heute über viele verschiedene Wege an Informationen. Doch nicht alles, was überzeugend klingt oder professionell aussieht, ist auch richtig und verlässlich. Kinder und Jugendliche sollten deshalb lernen, Informationen nicht einfach zu übernehmen, sondern erstmal zu hinterfragen und zu prüfen. Eltern können ihr Kind dabei unterstützen, einen kritischen Blick auf Informationen zu entwickeln und besser einzuschätzen, welchen Aussagen und Quellen sie vertrauen können.
Warum ist es für Kinder und Jugendliche schwierig, glaubwürdige Informationen zu erkennen?
Im Internet und besonders auf Social Media kann jede Person Inhalte veröffentlichen. Manchmal handelt es sich um gut recherchierte Informationen, manchmal um persönliche Meinungen oder Werbung. Kinder und Jugendliche können im Netz zudem unabsichtlich bzw. unvorbereitet auf Fake News oder Verschwörungserzählungen stoßen.
Mehr zum Thema Falschinformationen finden Sie im Beitrag Was sind Fake News und wie erkennt man sie? und Warum entstehen und verbreiten sich Fake News?.
Hinzu kommt: Falsche oder irreführende Informationen sehen häufig professionell aus. Ein Beitrag kann ein Logo, ein passendes Foto und eine überzeugende Überschrift enthalten und trotzdem falsche Aussagen verbreiten. Umso wichtiger ist es, nicht nur darauf zu achten, wie ein Inhalt aussieht, sondern auch, wer ihn veröffentlicht hat und worauf sich die Aussagen stützen. Gerade jüngeren Kindern und Jugendlichen fehlt oft noch die Erfahrung, verlässliche Informationen von weniger verlässlichen zu unterscheiden.
Wie kann man die Glaubwürdigkeit von Informationen prüfen?
Wer hat das veröffentlicht?
Ein wichtiger Anhaltspunkt ist, wer hinter einem Beitrag steht: Ist eine Autorin oder ein Autor genannt? Handelt es sich um eine bekannte Nachrichtenseite, eine Behörde, eine wissenschaftliche Einrichtung, ein Unternehmen oder um einen privaten Account?
Bei Websites kann ein Blick ins Impressum helfen. Dort sollte erkennbar sein, wer für die Inhalte verantwortlich ist.
Wichtig ist: Nur weil eine Person bekannt ist oder professionell auftritt, muss eine Aussage nicht richtig sein. Entscheidend ist, ob sich die Person mit dem Thema wirklich auskennt, und ob ihre Aussagen auf verlässlichen Informationen und Fachwissen beruhen.
Wird eine Quelle genannt? Woher stammt eine Information?
Glaubwürdige Beiträge machen deutlich, worauf ihre Aussagen beruhen. Wird auf eine Studie, eine offizielle Mitteilung oder eine andere Quelle verwiesen? Kann man diese Quelle ansehen und nachvollziehen, was dort wirklich steht? Ein Blick in die Originalquellen hilft dabei, zu erkennen, ob eine Aussage richtig wiedergegeben oder verändert beziehungsweise aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Gerade bei Screenshots, kurzen Videos oder weitergeleiteten Nachrichten fehlt der ursprüngliche Zusammenhang oft. Ein guter erster Schritt ist deshalb, sich zu fragen: Wo wurde die Information ursprünglich veröffentlicht?
Findet sich die Information auch bei anderen verlässlichen Angeboten?
Bei wichtigen Themen lohnt es sich, nach weiteren Quellen zu suchen. Berichten auch andere verlässliche Medien oder offizielle Stellen darüber? Werden dort ähnliche Informationen genannt?
Dabei müssen unterschiedliche Quellen nicht immer genau dasselbe schreiben. Unterschiede können zum Beispiel entstehen, weil Medien unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Entscheidend ist, ob sich die Fakten bestätigen lassen. Wenn eine spektakuläre Meldung nur auf einem einzelnen Account auftaucht und nirgends sonst zu finden ist, ist Vorsicht angebracht.
Ist der Beitrag aktuell?
Eine Information kann veraltet sein. Wichtig ist daher zu prüfen: Wann wurde der Beitrag veröffentlicht? Bezieht er sich wirklich auf die aktuelle Situation und stimmt die Information immer noch?
Gerade alte Bilder, Videos und Nachrichten werden manchmal erneut geteilt und wirken dann so, als seien sie gerade erst entstanden.
Wie ist der Beitrag formuliert?
Auch die Sprache kann Hinweise geben. Aussagen wie „Das will man Ihnen verschweigen!“, „Unglaublich – sofort teilen!“ oder „Die sind an allem schuld!“ sollen häufig vor allem Aufmerksamkeit erzeugen.
Besonders bei Inhalten, die durch ihre Sprache bewusst wütend, ängstlich oder empört machen wollen, lohnt es sich zu überlegen: Welche Gefühle löst der Beitrag gerade aus? Will der Beitrag informieren und mir verschiedene Perspektiven zeigen? Oder soll er bei mir vor allem Wut auslösen oder andere, starke Gefühle provozieren?
Starke Gefühle in Bezug auf einen Beitrag zu entwickeln, bedeutet nicht automatisch, dass Informationen im Beitrag falsch sind. Solche Gefühle können aber ein guter Anlass sein, genauer hinzusehen.
Passen Bild und Überschrift zum Inhalt?
Bilder und Überschriften beeinflussen stark, wie ein Beitrag wahrgenommen wird. Eine dramatische Überschrift kann mehr versprechen, als im eigentlichen Text steht. Auch Fotos können aus einem anderen Zusammenhang stammen oder älter sein. Folgende Fragen können bei der Einschätzung helfen:
- Passt die Überschrift zum Inhalt?
- Wird im Text belegt, was in der Überschrift behauptet wird?
- Ist klar, wann und wo ein Bild aufgenommen wurde?
Wenn Zweifel an einem Bild bestehen, kann eine Bilderrückwärtssuche zur Überprüfung genutzt werden, zum Beispiel www.tineye.com. So lässt sich manchmal herausfinden, ob ein Foto schon früher in einem anderen Zusammenhang verwendet wurde.
Meinung oder Tatsache?
Nicht jede Aussage, die online zu finden ist, lässt sich auf dieselbe Weise prüfen.
Eine Tatsachenbehauptung lässt sich überprüfen. Sie kann richtig oder falsch sein. Zum Beispiel: Die Schule beginnt um 8 Uhr.
Eine Meinung beschreibt, was jemand denkt oder empfindet. Zum Beispiel: Die Schule beginnt viel zu früh.
Gerade auf Social Media werden Meinungen manchmal so formuliert, als wären sie Fakten und Tatsachen. Eine hilfreiche Frage kann sein: „Kann ich diese Aussage überprüfen oder beschreibt jemand seine persönliche Sicht?“
Ziel ist nicht, dass Kinder und Jugendliche grundsätzlich an allem zweifeln. Sie sollen vielmehr ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass es online verlässliche und weniger verlässliche Quellen gibt. Sie sollen dafür sensibilisiert werden, bei manchen Aussagen genauer hinzuschauen, zum Beispiel wenn sie überraschend wirken, starke Gefühle auslösen oder zum Weiterleiten auffordern. Ist eine Aussage für die eigene Meinung oder Entscheidung wichtig, sollten junge Menschen sich zudem sicher sein, ob die Aussage stimmt. Wie Kinder und Jugendliche sich informieren und welche Rolle Suchmaschinen, Social-Media-Angebote und KI-Programme spielen, erfahren Sie im Beitrag Wie informieren sich Kinder und Jugendliche?.
Was heißt das für Eltern?
Sie müssen nicht jede Nachricht gemeinsam mit Ihrem Kind bis ins Detail überprüfen. Viel wichtiger ist es, mit gutem Beispiel voranzugehen, eine kritische Haltung gegenüber Informationen vorzuleben und verlässliche Quellen zu kennen. Wenn Ihr Kind Ihnen einen ungewöhnlichen Beitrag zeigt, können Sie zum Beispiel fragen: Woher kommt die Information? Können wir herausfinden, wer das zuerst veröffentlicht hat? Gibt es dazu noch andere Quellen?
Statt eine Aussage sofort als falsch einzuordnen, können Sie die Information gemeinsam prüfen. So erlebt Ihr Kind ganz praktisch, wie man einer Aussage Schritt für Schritt auf den Grund geht.
Eine Verschwörungserzählung behauptet, dass einflussreiche Personen oder Gruppen wichtige Ereignisse heimlich planen oder beeinflussen. Dafür gibt es jedoch keine verlässlichen Belege. Trotzdem werden solche Erzählungen als wahr dargestellt und vor allem über Social Media verbreitet.
Social-Media-Angebote sind Plattformen im Internet, auf denen sich Nutzerinnen und Nutzer austauschen, Inhalte posten und sich selbst darstellen können. Um dort aktiv zu sein, muss man sich anmelden und ein Profil erstellen. Ein Social-Media-Profil kann privat oder öffentlich sein.
Fake News (englisch: fake news = gefälschte Nachrichten) sind absichtlich verbreitete Falschmeldungen. Sie sehen wie echte Nachrichten aus und sollen Menschen täuschen, verunsichern oder beeinflussen. Verbreitet werden sie vor allem im Internet und über Social Media.
Online (englisch: online = verbunden) bedeutet, dass ein Gerät mit dem Internet verbunden ist. Dadurch können Apps und Programme auf Inhalte und Funktionen aus dem Internet zugreifen. Auch bei Personen sagt man, dass sie online sind, wenn sie gerade das Internet nutzen.