Ständig am Bildschirm: Ab wann wird es proble­matisch?

„Du bist schon wieder am Handy!“ oder „Mach jetzt endlich den Fernseher aus!“ – wie lange Kinder und Jugendliche digitale Medien nutzen dürfen, sorgt in Familien häufig für Diskussionen. Verbringen Kinder und Jugendliche besonders viel Zeit am Smartphone, Tablet oder vor dem Fernseher, fragen sich Eltern oft, ob das noch okay ist. Doch ab wann ist Bildschirmzeit tatsächlich zu viel? Entscheidend ist nicht nur, wie lange ein Kind Medien nutzt, sondern auch, wie die Nutzung den Alltag und das Wohlbefinden des Kindes beeinflusst.

Kommt es nur auf die Bildschirmzeit an?

Manchmal verbringen Kinder und Jugendliche besonders viel Zeit mit digitalen Medien, zum Beispiel wenn sie ein neues Spiel, eine neue App oder Serie für sich entdecken. Oft ist das eine Phase und die Nutzungsdauer nimmt nach einiger Zeit von selbst wieder ab. Eine hohe Bildschirmzeit allein bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Mediennutzung problematisch ist. Eltern sollten auch darauf achten, wie ihr Kind mit digitalen Medien umgeht und welchen Stellenwert diese im Alltag haben.

Medien können auch Stress verursachen

Digitale Medien machen Spaß und bieten Unterhaltung, können aber auch Stress auslösen. Manchmal merken Kinder und Jugendliche selbst, dass ihnen die Mediennutzung zu viel wird. Die Bildschirmzeit zu verringern, fällt aber oft nicht leicht. Sie verbringen oft mehr Zeit am Smartphone, als sie eigentlich möchten, oder fühlen sich durch ihre Mediennutzung belastet. Das gilt besonders dann, wenn sie das Gefühl haben, ständig erreichbar sein oder sofort auf Nachrichten antworten zu müssen. Hinzu kommt manchmal die Sorge, etwas zu verpassen, wenn sie nicht regelmäßig auf ihr Smartphone schauen. Dieses Gefühl wird als FOMO bezeichnet.

FOMO und JOMO

FOMO steht für „Fear of Missing Out“ und beschreibt die Angst, etwas zu verpassen, wenn man nicht online ist.

Es kann sich aber auch gut anfühlen, nicht immer erreichbar zu sein und auch mal etwas zu verpassen. JOMO („Joy of Missing Out“) beschreibt diesen Gegentrend: die Freude daran, bewusst nicht immer online oder überall dabei sein zu müssen. Wer sich bewusst Auszeiten von digitalen Medien nimmt, kann den Druck durch die ständige Erreichbarkeit verringern.

Mehr zum Thema FOMO erfahren Sie im Erklärvideo Was bedeutet FOMO?

Ab wann wird Mediennutzung zum Problem?

Wenn Kinder und Jugendliche einmal mehr Zeit mit digitalen Medien verbringen, muss das nicht gleich problematisch sein. Eltern sollten jedoch genauer hinschauen, wenn ihr Kind über längere Zeit besonders häufig oder lange Medien nutzt und gleichzeitig Schwierigkeiten in anderen Lebensbereichen auftreten.

Die folgenden Anzeichen können auf eine problematische Mediennutzung hindeuten:

  • Schule: Die schulischen Leistungen lassen nach oder es treten zunehmend Konzentrationsprobleme auf.
  • Freizeit und Hobbys: Andere Aktivitäten werden vernachlässigt oder ganz aufgegeben.
  • Freundschaften: Das Kind verbringt weniger Zeit mit Freundinnen und Freunden oder zieht sich zunehmend zurück.
  • Familienleben: Die Bildschirmzeit führt ständig zu Streit und belastet das Zusammenleben.
  • Umgang mit Problemen: Das Kind nutzt digitale Medien, um sich von Schwierigkeiten in der Schule, im Freundeskreis oder anderen Alltagsproblemen abzulenken.
  • Körperliches und seelisches Wohlbefinden: Es treten Veränderungen auf, wie zum Beispiel Schlafprobleme, anhaltende Müdigkeit oder körperliche Veränderungen wie Übergewicht.

Bemerken Eltern einzelne dieser Anzeichen bei ihrem Kind, bedeutet das nicht automatisch, dass die Mediennutzung problematisch ist. Veränderungen im Verhalten können auch andere Gründe haben. Treten jedoch mehrere Anzeichen gemeinsam auf und bestimmt die Mediennutzung zunehmend den Alltag, sollten Eltern genauer hinschauen.

Mediensucht als Krankheit?

Eine allgemeine „Online-“ oder „Mediensucht“ ist bisher nicht als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bisher die Computerspielsucht, in der Fachsprache auch Computerspielstörung („Gaming Disorder“) genannt, in die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-11) aufgenommen. Sie zählt zu den Störungen aufgrund von Verhaltenssüchten.

Eine problematische Mediennutzung kann dennoch die Betroffenen belasten und professionelle Unterstützung erforderlich machen.

Mehr zum Thema Computerspielsucht finden Sie im Beitrag Hilfe bei Computerspielsucht: Was Eltern tun können.

Drei Fragen, die Eltern bei der Einschätzung der Bildschirmzeit ihres Kindes helfen können

  • Wie verändert sich der Alltag meines Kindes?

    Bleibt neben der Bildschirmzeit noch Raum für Schule, Hobbys, Freundschaften und Familie? Oder werden andere Aktivitäten zunehmend vernachlässigt?

  • Kann mein Kind seine Mediennutzung kontrollieren?

    Fällt es meinem Kind schwer, die Bildschirmzeit selbst zu begrenzen? Empfindet es die Mediennutzung manchmal selbst als belastend?

  • Welche Folgen hat die Mediennutzung?

    Kommt es häufig zu Streit oder zeigen sich Veränderungen bei der Konzentration, den schulischen Leistungen oder dem körperlichen und seelischen Wohlbefinden?

Was heißt das für Eltern?

Wenn Kinder und Jugendliche viel Zeit am Smartphone, Tablet oder vor dem Fernseher verbringen, muss das nicht automatisch problematisch sein. Eine intensive Mediennutzung kann auch eine vorübergehende Phase sein. Entscheidend ist, welchen Einfluss die Bildschirmzeit auf den Alltag und das Wohlbefinden des Kindes hat. Werden Schule, Hobbys oder Freundschaften vernachlässigt, kommt es häufig zu Streit oder fällt es dem Kind schwer, die eigene Mediennutzung zu kontrollieren, sollten Eltern genauer hinschauen. Dabei kann es helfen, gemeinsam mit dem Kind über die Mediennutzung zu sprechen und klare Regeln zu vereinbaren. Bestehen ernsthafte Sorgen, können ärztliche oder therapeutische Fachpersonen weiterhelfen.

Mehr Anregungen finden Sie in den 5 Tipps zur problematischen Mediennutzung.

Ein Smartphone (englisch: smart = klug, phone = Telefon) ist ein Mobiltelefon mit vielen zusätzlichen Funktionen. Man kann damit telefonieren, Nachrichten schreiben, Apps nutzen, im Internet surfen, Fotos und Videos aufnehmen und den Alltag organisieren, z. B. mit Kalender oder Navigation.

Ein Tablet (englisch: tablet = Schreibtafel) ist ein flacher, tragbarer Computer mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm. Es wird mit dem Finger oder einem speziellen Stift bedient. Mit einem Tablet kann man Apps nutzen, im Internet surfen, Fotos und Videos ansehen oder Spiele spielen.

Online (englisch: online = verbunden) bedeutet, dass ein Gerät mit dem Internet verbunden ist. Dadurch können Apps und Programme auf Inhalte und Funktionen aus dem Internet zugreifen. Auch bei Personen sagt man, dass sie online sind, wenn sie gerade das Internet nutzen.

FOMO steht für „Fear-Of-Missing-Out“ und beschreibt die Angst, etwas zu verpassen, wenn man nicht online ist. Vor allem bei der Social-Media-Nutzung kann dieses Gefühl entstehen. Wird die Angst zu stark, kann sie z. B. Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme oder Depressionen auslösen.

Eine App (englisch: application = Anwendung) ist ein Programm für Smartphone, Tablet oder Computer. Es gibt viele unterschiedliche Apps mit verschiedenen Funktionen, z. B. für Musik, Wetter oder Spiele.